Polen diskutiert Änderungen der Staatsbürgerschaftsregeln

Ich habe schon früher über Staatsbürgerschaft durch Abstammung geschrieben und Polen als eines der großzügigsten Länder für die Beantragung der Staatsbürgerschaft genannt. Jedoch diskutiert das Land angesichts von Hunderttausenden neuen Einwanderern und entsprechender Unterstützung für Anti-Einwanderungs-Politik eine umfassende Überarbeitung seiner bisher lockeren Regeln.

Fragomen hat dazu einen detaillierten Artikel veröffentlicht, aus dem ich einige wichtige Erkenntnisse ziehe. Eine wichtige für mich ist "die Einführung eines Staatsbürgerschaftstests als Voraussetzung für den Erwerb der Staatsbürgerschaft (gilt nicht für diejenigen, die die Staatsbürgerschaft durch Abstammung bestätigen)." Ich verfolge einige Länder (USA, Frankreich, UK) und ihre Entwicklung bei Staatsbürgerschaftstests. Sie sind ein guter Indikator dafür, wie sehr ein Land an die Assimilation seiner bestehenden Einwandererbevölkerung glaubt.

In Polen wird der vorgeschlagene Test zweimal jährlich abgehalten, mit einem Fragenpool von mehreren hundert bis mehreren tausend (?!) Elementen, und das Prüfungsformat wird 30-35 Multiple-Choice-Fragen mit 5 offenen Fragen sein.

Der Test wird laut Fragomen aus drei Teilen bestehen:

  1. Allgemeinwissen – Geschichte, internationale Beziehungen, Recht.
  2. Aktuelle Ereignisse – Fünf Fragen zu aktuellen Entwicklungen.
  3. Werte – Offene Fragen zur Bewertung der Integration des Antragstellers in die polnische Gesellschaft.

Der Artikel erwähnt auch, dass die Oppositionspartei mit noch strengeren Regeln kontert:

  • Eine generelle Verlängerung der erforderlichen Aufenthaltsdauer für die Anerkennung als polnischer Staatsbürger.
  • Eine Pflicht zur Vorlage eines Führungszeugnisses aus dem Herkunftsland.
  • Anhebung des erforderlichen Polnisch-Sprachniveaus von B1 auf C1.
  • Einführung einer Staatlichen Staatsbürgerschaftsprüfung zu Themen wie Polens politisches System, Bürgerrechte, Geschichte, Kultur und soziale Integration.

Es sieht so aus, als ob die Staatsbürgerschaft durch Abstammung weitgehend unberührt bleibt, aber Einbürgerungswege werden deutlich schwieriger werden.